Aufklärung – Das Katapult

Beim letzten Artikel hab ich so kurz und prägnant wie möglich versucht, das Problem des Verständnisses von Aufklärung darzustellen. Freilich denkt nicht jeder so über Aufklärung. Doch wie komm ich dann überhaupt dazu, so etwas zu behaupten?

Es fängt mit den Klischees an. Diese erleichtern vielen das Leben so sehr, da sie meist eine ganz profane Erklärung über komplexe Dinge geben. Hinzu kommen noch sogenannte Halbwahrheiten, die die Medienlandschaft prägen. Immer wieder schlag ich mir die Hände über den Kopf, wenn ich sehe, wie große Teile der Bevölkerung darauf anbeißen. Da frage ich mich doch zurecht, ob man da noch von Aufklärung sprechen kann, oder etwa nicht?!

Viele verbinden mit der Aufklärung die Überwindung des tiefen Mittelalters und seinem Aberglauben mithilfe der Naturwissenschaft. Doch man verkennt dabei, dass die Aufklärung nicht erst mit dem 18. Jahrhundert begann. Man hat vielmehr erst dann angefangen die Idee zu erfassen und zu definieren. Existiert hat sie schon seitdem der Mensch bewusst hinterfragt und philosophiert hat, denn bei ihr handelt es sich um die geistige Selbstständigkeit des Individuums.

Dennoch ist es nicht zu bestreiten, dass im 18. Jahrhundert die Aufklärung einen Aufschwung zu spüren bekam. Man trat aus der Unmündigkeit heraus und bediente sich seines Verstandes ohne Leitung eines Anderen. Doch heute haben wir uns in die selbstverschuldete Unmündigkeit zurückkatapultiert. Ein Zitat von Kant veranschaulicht das am besten:

„Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.“  (Immanuel Kant: „Was ist Aufklärung?“, in: ders.: Was ist Aufklärung? Ausgewählte kleine Schriften. Meiner Verlag, Hamburg 1999, S. 20.)

Die Unterhaltungsmedien nehmen unsere Zeit so sehr in Anspruch, sodass wir für unsere geistige Selbstständigkeit kaum noch Zeit investieren. Große Zeitschriften übernehmen auf diese Art unser Denken. Die kritiklose Aufnahme des Geschriebenen führt uns dann wieder zu den altbekannten Klischees. Und diese sind Gift für die Aufklärung, derer wir uns doch so sehr rühmen.

Fortsetzung folgt

1.Teil: Aufklärung – Tschö!

Veröffentlicht in: on 14. Mai 2009 at 02:49 Kommentare (1)
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